Zhao Yingru: „Orges Blick“

25. Feb. 2022, 19:00 Uhr
Brechtfestival Augsburg 2022

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Angehende Theatermacher*innen aus China setzen ihre Lebensrealität in Bezug zu Texten von Bertolt Brecht. Sie entdecken biographische Resonanzräume, zum Beispiel im Gedicht „Vom armen B.B.“. Sie reiben sich an diesem westlichen Autor, der nur Debatten und Verwirrung stiftet. Sie erzählen von der Freundschaft zwischen Bertolt Brecht und Bai Juyi, einem chinesischen Dichter der Brecht in den 1940er Jahren im Exil begegnet und werfen ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter, über die Brecht immer wieder geschrieben hat.
Orges Blick
Ein Konzept-Kurzfilm
Brechts Gedicht Orges Wunschliste wurde 1917 geschrieben. Seitdem ist der Text zu einer guten Referenz für das Leben in der heutigen Zeit in China geworden. Als wir uns an der Akademie einschrieben, hatten auch wir eine ähnliche Vision wie der 19-jährige Brecht. Wir glaubten fest daran, ein freies und romantisches Leben zu führen und künstlerische Kreationen zu schaffen, die für die Menschen stehen. Nach dem Abschluss des Studiums haben uns der harte und unerbittliche soziale Wettbewerb, die allgegenwärtige geschlechtsspezifische Gewalt und die Sparmaßnahmen sowie die kollektiv-unbewusste Umgebung des politischen Diskurses fast besiegt. Wenn man sich der Realität wirklich stellen will, muss man sich wieder der Quelle des Schmerzes stellen und die Dunkelheit in der Poesie verstehen.
Orges Blick untersucht die in Orges Wunschliste verwendeten Wörter aus einer sozialen und historischen Perspektive, die meisten von ihnen haben starke politische Implikationen und sind mit Problemen in der heutigen Gesellschaft verbunden: ‚Haut‘, ‚Mädchen‘, ‚Frau‘, ‚Feindseligkeit‘, ‚Wohnung‘, ‚Kunst‘, ‚Lehrer‘, ‚Götter‘, ‚Tod‘, usw. In unserem eigenen Leben benutzen Männer „weiß, jung und schwach“, um eine Gruppe von Frauen zu beschreiben, die leicht zu kontrollieren und als sexuelles Werkzeug zu benutzen sind. Die „unbeschädigte weiße Haut“ im Originaltext spiegelt nicht nur die Objektivierung von Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft wider, sondern auch das Problem des Rassismus.
von Wang Guanyu, Sun Peijie, Ma Yixuan, Zhao Yingru, Zhang Yuanrong
Textrechte:
Suhrkamp Verlag / Brecht Erben
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