Tschewengur

01. Okt. 2021, 19:30 Uhr @ Maxim Gorki Theater
Maxim Gorki Theater

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Tschewengur
Die Wanderung mit offenem Herzen

Von Studio Platonow Nach Andrej Platonow
Aus dem Russischen von Renate Reschke 

Regie Sebastian Baumgarten Kamera & Schnitt Chris Kondek Komposition & Sounddesign Robert Lippok Dramaturgie Ludwig Haugk, Clara Probst Text Clara Probst, Ludwig Haugk Kostüme Jeanne Louët, Franziska Müller

Mit Jonas Dassler, Aysima Ergün, Tim Freudensprung, Falilou Seck, Çiğdem Teke, Hanh Mai Thi Tran, Till Wonka
 
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»In dieser Stunde war vielleicht das Glück selbst auf der Suche nach seinen Glücklichen, die Glücklichen aber ruhten sich von den alltäglichen sozialen Sorgen aus, ohne sich ihrer Verwandtschaft mit dem Glück zu entsinnen.« (Tschewengur)

Eine neue Welt bringt eine neue Sprache hervor. Andrej Platonow war lebenslang auf der Suche nach dem anderen Klang. Den Rhythmus für diese Expedition gab ihm die Eisenbahn vor: 1899 als Arbeiterkind im südrussischen Woronesh geboren, musste er früh als Hilfsarbeiter im Lokomotivenwerk arbeiten. Die Revolution ließ ihn Ingenieur werden, einen Träumer der Maschinen und ihrer Möglichkeiten, der an der Revolutionsfront kämpfte und in den Steppenlandschaften des Bürgerkriegs dem Hunger, der Utopie, der Gewalt begegnete.
In dem Roman Tschewengur – Die Wanderung mit offenem Herzen, seinem Hauptwerk, fließen diese Elemente zusammen zu einem Sprachkunstwerk. Seine Perspektive ist die der Elendsten, der Hunger und Dürre preisgegebenen Bauern, der Landlosen und besitzlos Umherstreifenden, jener Menschen also ohne Sprache, Schrift und Geschichte. In ihre an der Schwelle zum Tod gebaute Welt bricht die Maschinisierung und Neuorganisation von unten durch die Revolution. Sie sollen »Subjekte« werden und eine neue Welt erschaffen, statt die alte zu erdulden. Von der jungen Partei entsandt machen sich zwei extrem unterschiedliche Antihelden auf, in den Weiten der Steppenlandschaft den Kommunismus zu suchen. Sie begegnen einer mythischen Welt aus skurrilen Gestalten, einer Welt, in der die Menschen Teil des Gefüges der Dinge sind und nicht länger Herrscher, in der die Syntax des Zusammenlebens neu gebaut wird. In dem Örtchen Tschewengur, das sie schließlich erreichen, scheint erreicht, wovon alle träumen: das Ende aller Widersprüche. 

100 Jahre später wirkt die zu Zementplatten geronnene Utopie der sozialistischen Landschaften selbst wie eine bezwungene Natur, eine urbane Steppe, verlassen und überbaut. Eine Landschaft aus Beton und Vergessen, Brachenkraut und Künstlichkeit. In den Resten sozialistischer Urbanität siedelt die Gruppe Studio Platonow ihren ungewöhnlichen Tschewengur-Film an. 

Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag Berlin

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»In that hour, perhaps, happiness itself sought those who would be happy, but the happy were resting after their social worries of the day and did not remember their kinship with happiness.« (Tschewengur, English translation by Anthony Olcott)

A new world generates a new language. Andrei Platonov searched for this different sound his entire life. The rhythm for his expedition was set by the railway: Born into the working class in Voronezh in southern Russia in 1899, he was sent to work in a locomotive factory as a child. The revolution enabled him to become an engineer, a dreamer of machines and their possibilities, who fought on the front of the revolution and encountered hunger, utopia and violence in the steppe landscapes of the civil war. In the novel Tschewengur, his magnum opus, these elements flow together into a linguistic work of art. His perspective is that of those who suffer the most, the farmers subject to famine and drought, the roamers without land or property, those people without language, writing and history. Built on the threshold of death, their world is broken into by mechanisation and reorganization through the revolution. They are supposed to become »subjects« and create a new world, instead of enduring the old one. Sent by the young Communist party, two extremely different anti-heroes set out to find communism in the expanses of the steppe landscape. They encounter a mythical world inhabited by strange creatures, a world in which humans are part of the structure of things and no longer its rulers, in which the syntax of life together is built anew. In the small town Tschewengur, which they finally reach, the stuff of everyone’s dreams appears to have been achieved: the end of all disagreements.

100 years later, the utopia of socialist landscapes that has coagulated into cement itself looks like a conquered nature, an urban steppe, abandoned and forgotton. A landscape of concrete and oblivion, wasteland and artificiality. It is in the remnants of socialist urbanity that the group Studio Platonov situates its unusual Tschewengur film. 

Performance rights: Suhrkamp Verlag Berlin

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