Literatur auf der Insel // Peter Schneider im Literatursalon im Café Ada

30. Okt. 2020, 19:30 Uhr @ Café Ada
Literatur auf der Insel / Peter Schneider

Gast: Peter Schneider
Gastgeber: Torsten Krug & Uta Atzpodien


Peter Schneider, geboren 1940 in Lübeck, gehörte zu den wichtigsten Köpfen der 68er-Bewegung, sein Roman „Lenz“ (1973) wurde zum Kultbuch der Studentenbewegung. Sein intellektuelles Leben lang hat er sich kritisch zu Politik und Zeitgeschehen geäußert. Die kürzlich erschienene Sammlung von Essays und Artikeln aus den letzten 30 Jahren zeigt ihn als präzisen Diagnostiker des Zeitgeschehens und großen Stilisten. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Der Mauerspringer“ (1982), „Rebellion und Wahn“ (2008), „Die Lieben meiner Mutter“ (2013) und „Club der Unentwegten“ (2017).

Der Kameramann Michael Ballhaus inspirierte ihn vor einigen Jahren zur Beschäftigung mit Antonio Vivaldi. Ein Film sollte es werden. In dem daraus entstandenen virtuosen Roman „Vivaldi und seine Töchter“ (2019) begibt sich Schneider auf die Spur des geweihten Priesters und Musikers im barocken Venedig. Was er dabei entdeckt, ist ein nahezu unbekanntes Werk: Sein ganzes Leben lang hat der „prete rosso“ an einem Waisenhaus gearbeitet und mit den musikalisch begabten Mädchen das erste Frauenorchester Europas gegründet. Für sie schrieb er einen großen Teil seiner Konzerte, mit ihnen brachte er sie zur Aufführung. Schon zu seinen Lebzeiten eine Berühmtheit, zählen seine Kompositionen heute zu den meistgespielten weltweit. Doch in der Zwischenzeit war sein Werk fast zweihundert Jahre lang vergessen. Erst der Zufallsfund eines Konvoluts von Partituren leitete 1926 die Wende ein.

Als Ballhaus während Schneiders Arbeiten am Buch stirbt, wird dieses auch zu einer Art Requiem für seinen Freund. Und so widmet sich der Roman des im April 80 Jahre alt gewordenen Autors auch der Frage: Was ist das Vermächtnis eines Künstlers, einer Künstlerin?

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