Beethoven und Frankreich Gesprächskonzert

22. Aug. 2020, 18:45 Uhr @ Woelfl-Haus
Woelfl-Haus Bonn

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"Beethoven – ein Wiener Klassiker?"

Von Beginn an hat Beethoven mit seiner Musik die Gesellschaft gespalten:
man bejubelte seine Musik oder lehnte sie ab. Beethovens Musik kann weniger aus der Ästhetik der Wiener Klassik als vielmehr aus jener der in Frankreich im Zusammenhang mit der französischen Revolution entwickelten Ideologie verstanden werden. Hielt François-Marie Voltaire Mitte des 18. Jahrhunderts in seinem Dictionaire philosophique noch an der Gültigkeit von "le gout classique" und "le sens de la mesure" fest, so legte Denis Diderot mit seiner Definition des Genie-Begriffs, den Beethoven als erster Musiker für sich beanspruchte, den Boden für das geniale Selbstverständnis des romantischen Künstlers. Mit Jean-Jacques Rousseau zog ein weiterer Philosoph in seinen Schriften gegen den Vernunftglauben der Aufklärung zu Felde und setze an dessen Stelle die Vorherrschaft des Gefühls und Empfindung über den Verstand, womit das Zeitalter der Romantik eingeläutet wurde. Nicht die in der Wiener Klassik vorherrschenden Regeln des gesunden Menschenverstands und des guten Geschmacks sind einzuhalten. Genialität wird als Naturgabe erkannt, die sich impulsiv äußert und unkontrollierbar agiert. Der Genius sprengt die Fesseln der überkommenen
Regeln, um sich schöpferisch frei entfalten zu können – neue Erkenntnisse, die Beethoven voll für sich beanspruchte.